![]() |
|
|
Prof. Dr. Fee-Alexandra Haase: Kritik Die Vorschule der Ästhetik Gustav Theodor Fechners, der im Jahre 1839 unter dem Pseudonym Mises Kunstberichte in Leipzig publizierte, behandelt im Jahre 1781 im ersten Teil Aesthetische Gesetze oder Principe im Allgemeinen nach folgenden Methoden: (1) das Princip der ästhetischen Schwelle In den Bemerkungen über Analyse und Kritik der Kunstwerke beschreibt Fechner die ästhetische Analyse und Kritik: "Ein Kunstwerk kann uns gefallen oder missfallen, ohne dass wir uns die Momente und Gründe des Eindruckes und seiner Berechtigung besonders zum Bewusstsein bringen; in sofern es aber geschieht, üben wir ästhetische Analyse und Kritik an dem Werke". (1039) Im späten 19. Jahrhundert werden Schriften zur Ästhetik mit Begriffen der Kritik verfaßt. Ludwig Pfaus Abhandlung Kunst und Kritik behandelt die Kunst der Merowinger, Karolinger, Pipins des Kleinen, Karls den Großen, Ludwigs des Frommen, Ludwigs des Deutschen, Arnulfs, Ludwigs des Kinds in Schriften, die als literarische und historische Skizzen bezeichnet werden. In einem Aufsatz über Emile Zola schreibt Pfau: "Die Auflagen eines Buches sind leider kein Kriterium für dessen Vorzüge, und die Zeit ist noch fern, da der ästhetische Faktor eine stärkere Anziehungskraft auf die Gemüter üben wird als der pathologische;" (1040) Hermann Lotzes Werk Geschichte der Aesthetik in Deutschland erscheint im Jahre 1868. Lotze verwendet den Begriff Kunstkritik für einen Bereich ohne Gründe des Urteils: "Die Theorie [...] überläßt hier das Feld jener Kunstkritik, die im Einzelfalle scharfsinnig Gelungenes und Verfehltes, Großes und Unbedeutendes scheidet, ohne die Gründe ihres Urtheils auf allgemeingeltende Gesichtspunkte zurückzubringen." (1041) Lotze unterscheidet zwischen Kunstkritik und Ästhetik: "Der Kunstkritik, nicht der Aesthetik, fiel es zu, aus gelungenen Werken der Phantasie die Formen zu sammeln, in denen jene Forderungen erfüllt schienen, und dies Geschäft hat sich sehr eifrig, im Einzelnen aber nicht ohne die Irrthümer besorgt, welche unvermeidlich scheinen, wenn, bei zusammengesetzten Werken namentlich, der Geschmack aus dem Stegreif über das Zusammenpassen oder Nichtpassen der anschaulichen Form mit vorausgesetzten abstracten Aufgaben richten soll. (1042)[...] Kritik und Komik stimmen darin überein, daß sie an sich nur zerstören, nicht aufbauen; beide thun dies jedoch nur auf Grund irgend einer maßgebenden Gewißheit, die sie unangetastet lassen. Die Summe dieser Gewißheit nun pflegt schon der wissenschaftlichen Kritik nicht als eine Reihe im Bewußtsein gegenwärtiger Sätze vorzuschweben; nicht als erkannter Inhalt ist sie gegenwärtig, sondern als eine lebendige Kraft des Erkennens, der man in jedem Augenblick des Bedürfnisses den eben nöthigen Grundsatz der Beurtheilung abfühlen kann." (1043) Im Abschnitt Die Eintheilung der Künste werden von Lotze die Philosophen Schleiermacher, Schelling, Schopenhauer, Hegel, Weisse, Vischer, Zimmermann, Fechner, Köstlin und Schasler neben Friedrich Ast, Karrl Christian Friedrich Krause, Karl Trahndorff, Martin Deutinger, Adolf Zeising und Johann Friedrich Herbart genannt.
|
||||
|