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Prof. Dr. Fee-Alexandra Haase: Kritik 3.2.5 Der Begriff Kritik als Bestandteil der Ästhetik zwischen 18. und 20. JahrhundertSeit Mitte des 18. Jahrhunderts ist der Begriff Kritik in der Ästhetik und Philosophie vertreten. Bereits zuvor ist er eine Bezeichnung für ein Verfahren im Umgang mit den freien Künsten (artes liberales) und den schönen Künsten. Diese Kritik ist als wissenschaftliche Disziplin in diesem Jahrhundert in Gliederungen von zeitgenössischen Inventaren von Wissenschaftsbereichen der Theologie, Philosophie und Literatur anzutreffen. Ein Ausdruck ist das Urteil des Geschmacks. So spricht Joseph Koller in seinem Entwurf zur Geschichte und Literatur der Aesthetik von Baumgarten bis auf die neueste Zeit im Jahre 1799 von den Kritiken des Geschmackes. Auch die Begriffe Critica und Critik werden im 18. Jahrhundert zur Bezeichnung von Methoden verwendet. Critica hat bei Alexander Baumgarten die Funktion der Anwendung von Regeln des Beurteilens. Seine Definition der Kritik (critica) als eine Methode, die in der Tradition der Rhetorik steht, findet sich in seinem Werk Acroasis logica. Baumgarten definiert in der Acroasis logica die Kritik (critica) als eine Methode im logischen Vortrag, die eine Zusammenfassung von Regeln des Beurteilens ist, die vom Verfasser einer Rede bei ebendieser hervorgebracht werden, andere weniger und bewirken, daß ein Ausleger (interpres) eine kritische Anmerkung (notitia critica) benötigt: "Critica est complexus regularum diiucandi, quae ab auctore orationis in eadem profecta sint, quae minus. Ergo interpres indiget notitia critica."75 Baumgarten nennt in seiner Unterteilung der Grundphilosophie (philosophia generalis) die Kunst der Achtgebens (ars attendendi), die Kunst des Trennens (ars abstrahendi), die Kunst des Fühlens (ars sentiendi), die Kunst des Vorstellens (ars imaginandi), die Verstandeskunst (ars ingensiose), die Kunst des Erfindens (ars fingendi), die Kunst des Beurteilens (ars diiudicandi) oder ästhetischer Kritik (Critica aestetica), die Kunst des Voraussehens (ars praevidendi et praesagiendi) und die Kunst der Zeichengebung und Zeichenerkennung (ars signandi et signis cognoscendi). (1026) Von Moses Mendelssohn werden Rezensionen in der Bibliothek der schönen Wissenschaften und freyen Künste über Baumgartens Aestheticorum pars altera gedruckt. Theodor Christoph Ursinis Schrift Gedanken vom philosophischen Geschmacke, die mit einer Vorrede von der philosophischen Windmacherey erscheint, wird in der Critischen Bibliothek beschrieben. Hier wird der Begriff Critic zur Beschreibung von Verfahren zur Behandlung von Texten genutzt: "Bey der Critic und Antiquitaeten, sagt der Verfasser, muß man nicht auf unnuetze Subtiliaeten verfallen, daß man nicht einen Fliegenkoth vor ein Dagesch im Buschstaben ansehe. Aber meine Leser moegen selbst urtheilen, ob dieses eben dasjenige alles sey, was zu dem guten Geschmacke eines Critici gehoere, und ob der Verfasser im Stande gewesen sey, und von dem guten Geschmacke eines Critici zu unterrichten." (1027) Der anonym publizierende Christoph Schönaich rät in seiner Äesthetik im Jahre 1754: "Es ist meines Erachtens nicht wohl getan, daß man schreibt: Hier herrschet lauter Mischmasch; eine seichte Kritik; eine verstuemmelte Stelle u.d.m. Die meisten Leser sind nicht allemal geschickt den Tadel in dem Buche selbst zu finden;" (1028)
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