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Prof. Dr. Fee-Alexandra Haase: Kritik 2.3.4 Literaturkritik I: Ansätze in den Wissenschaften zur Literatur in der PostmoderneDer Begriff Literaturkritik und seine Begriffe werden in der Postmoderne für Untersuchungen zur Bewertung von Literatur genutzt. In der von Alfred Estermann herausgegebenen Dokumentation von Texten mit dem Titel Literaturkritik wird im Jahre 1984 die Literaturkritik selbst als eine literarische Gattung bezeichnet. Einen Ansatz zu einem derartigen Gattungssystems liefert die Gliederung von Walter Hincks Zusammenstellung mit dem Titel Germanistik als Literaturkritik, die er in kritische Essays, kritische Portraits und Rezensionen zur Gegenwartskultur, Kulturkritik und Literaturgeschichte aufteilt. (692) Die Wahl von Modelle nach Epochenbegriffen und ihren Vertretern ist ein Merkmal für die historische Darstellung von Literaturkritik. Helmut Arntzen unterscheidet im Jahre 1984 in seiner Abhandlung Der Literaturbegriff in Literatur als Bildung mit einem ästhetischen Anlaß, soziales Dokument und Text für die Kommunikation mit dem Leser. (693) Hohendahl untergliedert im Jahre 1985 die Geschichte der deutschen Literaturkritik in der Zeit zwischen 1730 und 1980 in einen Zeitabschnitt von Epochen mit den Begriffen klassizistische und klassische Literaturkritik, den Teil Der Begriff der Literaturkritik in der Romantik für die Epoche der Aufklärung, den Teil Literaturkritik in der Epoche des Liberalismus, den Teil Literaturkritik zwischen Reichsgründung und 1933 und den Teil Entwicklung der deutschen Literaturkritik von 1933. Diese Teile wurden von unterschiedlichen Autoren verfaßt. In seinem Vorwort spricht Hohendahl von der Praxis des literaturkritischen Schreibens und Wertens. (694) Hohendahl spricht in der Abhandlung Literarische Kultur im Zeitalter des Liberalismus von der Literaturgeschichte, die neben der Kritik als Institution im Vormärz auftritt. (695) Kennzeichnend für die Ansätze der Forschung zur Literaturkritik in der Postmoderne sind Tautologien und Neologismen als Formen zur Bezeichnung ihrer Begriffe und das Verständnis von Kritik als Krise. Für die Literaturkritik im 20. Jahrhundert stellt Wolfgang Hilbig im Jahre 1995 die Frage, ob der Ausdruck Kritik noch zu gebrauchen ist. (696) In der Einleitung von Gerd Uedings und Bernd Steinbrinks Kapitel über die Rhetorik der Literaturkritik und Geschichtsschreibung wird im Jahre 1986 in ihrem Grundriss der Rhetorik das kritische Vermögen genannt, dessen rhetorischer Ursprung in der Überlieferung bei Aristoteles und Quintilian liegt. (697) Viehoff vermerkt im Jahre 1989, daß "das Kritisieren von Literatur [...] heute - genauso wie das Schreiben und Lesen von Literatur - eine Form sozio-kultureller Praxis, die kognitive, kommunikative und interaktive Prozesse verbindet mit dem Gebrauch von Sprache" ist. (698) Das literarische Werk wird von ihm untergliedert nach den Eigenschaften Schönheitsbegriff, der technischen Bearbeitung von Form und Inhalt, Elementen des literarischen Textes, Sprache und Sprachfiguren, Geschichte, Fabel, Handlung, Tradition, Experiment, Erzählperspektiven, Erzählweise und Aussagen. Als Begriffe für die Metaphorik Relationsfeld gelten das Beschreiben, Erzählen und Gestalten. Die Begriffe Silhouette, konkreter Sachverhalt, erweiterte Perspektive, universelle Bedeutung, Beispiele werden für die Bedeutung der Relationsfelder genutzt. Dem Begriff Spannungsfeld sind die Begriffe Energie und Harmonie bzw. Ambiguität und Klarheit und Heiterkeit des spiel- sinnvollen Menschenbildes zugeordnet. Begriffe wie Textdefinition, Wertung und Funktion dienen für die Bezeichnung von Methoden der Literaturkritik, die Viehoff als vom literarischen Urteilen wirkungsabhängig definiert: "Die Literaturkritik lebt von der Überzeugung, daß andere Kritiker Bedeutendes zur zunehmenden Präzision literarischer Urteile geleistet haben." (699) Autor, Leser und Kritiker sind für die Wissenschaft der Moderne Personen der Kritik. Jürgen Schiewe spricht im Jahre 1998 von einem redlichen Leser und einer ebensolchen Kritikerin im Vorwort seiner Geschichte der Sprachkritik. (700) Auch Autoren jüngster Forschungsbeiträge verstehen Kritik als Methode traditioneller literarischer Formen und Gattungen. So ist Jürgen Petersens Poetik epischer Texte aus dem Jahre 1993 in einen Grundriß, Aufriß, Praxis und die Kritik von Erzählsystemen untergliedert. Der Autor stellt das Urteil des Narrators als eine Vorausdeutung dar. (701) Hans Lenk vermerkt in seiner Schrift Zur Kritik der interpretatorischen Vernunft aus dem Jahre 1993: "Man kann also nicht wie Steiner von einer Zeit "nach dem Wort", von einer Phase des "Epilogs" im striktem Sinne sprechen, sondern allenfalls von einer Krise der repräsentationalen Abbildungsauffassung, von der Deutung der Sprache im Sinne einer Abbildung, eines "Bildes" der Wirklichkeit." (702)
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