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Prof. Dr. Fee-Alexandra Haase: Kritik 2.3.3 Historische Begriffe der Literaturkritik Deutschlands im frühen 20. JahrhundertIm 20. Jahrhundert wird die Literaturkritik als Methode zur Behandlung von Literatur genutzt. Für Autoren aus Ländern mit deutschsprachiger Literatur wie Robert Musil ist diese Methode eine Tätigkeit zur Veranschaulichung von Literatur, Theater und Kunst. Die Schriften zur Kritik von zeitgenössischen Ereignissen bei Musil umfassen in seinen gesammelten Werken, die im Jahre 1978 herausgegeben werden, die Gebiete Literatur, Theater und Kunst in Essaybüchern, literarischen Chroniken, Kulturchroniken, Nachworten, Theaterberichten, Referaten, Hinweisen, Tagesberichten und Entwürfen, die von dem Schriftsteller in den Jahren 1912 bis 1930 verfaßt wurden. Musils Roman Mann ohne Eigenschaften behandelt eine sich dem Urteil der Umwelt entziehende Person in der Monarchie Österreichs. (665) In einer Tagebuchaufzeichnung notiert Musil um die Jahrhundertwende zur Beurteilung Kants durch die Kritik: "Gegen dieses billige Vergnügen Kant "entwicklungsgeschichtlich" zu kritisieren, muß man jedoch aus zwei Gründen mißtrauisch sein. Erstens ist die "entwicklungsgeschichtliche" Erklärung, Begründung, Analyse etc unsere Denk-Gewohnheit, die liegt in den letzten Jahrzehnten in der Luft. Und Denkgewohnheiten sind die unsichersten und starrsten Schranken. Zweitens haben wir es eben nicht von unserer Kritik, wenn sie aus unserer Denkgewohnheit nicht heraustreten u. mit ihr einfach Kant krisisiren. Wir müssen vielmehr unsere Art zu denken vom Standpunkte Kants aus kritisiren, wenn wir etwas davon haben wollen." (666) Karl August Horst verwendet im Jahre 1962 für Gattungen wie den Roman, Lyrik und Essay bei Robert Musils Werk die Begriffe Lebenskritik und Zeitkritik für ihre Funktion. (667) In der Reihe Litteraturhistorische Forschungen erscheint eine litteraturhistorisch-kritische Untersuchung mit dem Titel Die Dramen Victor Hugos von Albert Sleumer im Jahre 1901. Sleumer unterteilt die Dramen Hugos, die er dem "Romantismus" zuordnet, nach den formalen Kriterien Inhaltsangabe, Abfassungszeit, Textvarianten des Textes, den historischen Kriterien Erstaufführung, Wiederholungen, Grundgedanken, Gestalten für das Stück und für seine Bearbeitung durch Kritiker mit den Begriffen Mängel, Vorzüge und Beurteilung. Als Wirkungen auf Hugos Werke zeigt Sleumer das Umfeld der Comédie francaise und der Censur auf. (668) Franz Blei veröffentlicht in seinem im Jahre 1912 herausgegebenen Buch Kritik mit dem Titel Der Dichter und das Leben Abhandlungen über Novalis, E. T. A. Hoffmann, Rudolf Borchardt, Maurice Barrès, Oscar Wilde, eine Kritik zu drei Komödien von Karl Sternheim und die Abhandlungen Über die Komödie und Ein Theorem vom Ästhetischen. Blei bemerkt über die Eigenschaften von zeitgenössischen Rezensenten und den Begriff der Kritik der Gegenwart: "Unsere Zeit gefällt sich im Kritisieren und läßt im Amte des sogenannten Rezensenten gerne den Unfähigsten nach Belieben schalten. Das hat sowohl den Begriff der Kritik wie auch ihre Leistung auf das tiefstdenkbare Niveau gebracht." (669) Paul Ernst erwähnt in seiner Schrift Der Weg zur Form im Jahre 1928 als Aufgabe der Kritik, "den entdeckten Dichter derartig den Leuten klar zu machen, bis das Publicum so weit gebracht ist, daß er ihm gefällt." (670) Herbert Cysatz unterscheidet im Jahre 1926 in der Schrift Literaturgeschichte als Geisteswissenschaft in sechs Kapiteln für die Untersuchung der Literarhistorie Kriterien seines Verfahrens in die Begriffe Zeit und Raum, Individualität, Gestalt, Entwicklung, Kultur, Freiheit und Sittlichkeit. (671)
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