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Prof. Dr. Fee-Alexandra Haase: Kritik Im Briefwechsel von Friedrich Lücke mit den Gebrüdern Grimm über die akademische Krisis des Jahres 1837 wird die Stellung der beiden Wissenschaftler in der Gesellschaft des Vormärzes dokumentiert. Zur Zeit der Entlassung der Wissenschaftler aus der Universität Göttingen steht in der Einleitung des Druckmanuskripts der Rechtfertigungsschrift von Jakob und Wilhelm Grimm die Anklage an die Zweifel von Gelehrten: "Die Welt ist voll von Männern, die das Rechte denken und lehren, sobald sie aber handeln sollen, von Zweifel und Kleinmut angefochten werden und zurückweichen. Ihr Zweifel gleicht dem Unkraut, das auf den Straßen durch das Pflaster bricht, manche rotten es aus, doch nicht lange, so hat es wieder ganze Stellen überzogen." (254) Die typographische Veränderung der Schrift mit dem Verzicht auf Majuskeln bei Jakob Grimm ist ein Kennzeichen seiner Sprache, die auch in seiner Vorrede zur Deutschen Grammatik vom 30. Oktober des Jahres 1840 genutzt wird. Hier vermerkt er zu den Regeln der Critik für das Sprachstudium folgendes: "Alle regeln dienen der sprache, gewissermaßen den glanzpunkten der literatur, und werden nur wider willen in unangebaute oder verlassenen gegenden geleitet. Das ganze grammatische studium nimmt einen unverrückten bezug auf das vorhin bezeichnete geschäft der critik und findet darin seinen ersten beruf wie seine letzte befriedigung." (255) Jakob Grimm beschreibt im letzten Absatz der Vorrede vom 7. März des Jahres 1848 zur Abhandlung Geschichte der deutschen Sprache jedoch auch das Fehlen von Beurteilungen. Weder beifall noch tadel zu seiner eigenen Arbeit wird dem Gelehrten zuteil: "Ich arbeite zwar mit ungeschwächter innerer lust, aber ganz einsam, und vernehme weder beifall noch tadel sogar von denen die mir am nächsten stehend mich am sichersten beurtheilen können." (256) Grimm benutzt im Jahre 1851 in seiner Schrift Über den Ursprung der Sprache den Vergleich zwischen Philologen und Botanikern für das Aufstellen von kritischen regeln: "Denn ins Auge springt, daß gerade wie jene philologen die klassischen sprachdenkmäler um ihnen kritische regeln für die emendation beschädigter und verderbter texte abzugewinnen erforschten, so auch die botaniker ihre wissenschaft ursprünglich darauf anlegten in einzelnen kräutern heilsame kräfte zu entdecken, die anatomen in die leiber schnitten, um des innern baus sicher zu werden, auf dessen erkenntnis nun die herstellung der gestörten gesundheit gestützt werden könnte." (257) Den komparatistischen Ansatz zur Erforschung von Sprache der Göttinger Philologen setzt Franz Bopp unter der Bezeichnung Kritische Grammatik fort. Bopps Abhandlung Über J. Grimm´s deutsche Grammatik erschien im Jahrbuch für wissenschaftliche Kritik erstmals im Jahre 1827. An diese Schrift knüpft Bopps Vocalismus oder sprachvergleichende Kritiken über J. Grimms deutsche Grammatik und E. G. Graffs althochdeutschen Sprachschatz mit Begründung einer neuen Theorie des Ablauts an, die im Jahre 1836 erscheint. Bopp erschließt die germanischen, slavischen, europäischen und asiatischen Sprachen durch Methoden ihres Vergleiches. Eine kritische Schrift zu den Sprachen Asiens ist Bopps Kritische Grammatik der Sanskrita-Sprache aus dem Jahre 1834. In ihrer Vorrede schreibt Bopp: "In diesem Buch aber war es, wie in der groesseren Ausgabe, bloss mein Streben, eine Kritik und Naturbeschreibung der Sprache selbst zu liefern." (258) Der Göttinger Gelehrte behandelt den Unterschied zwischen literarischen Texten und Rede mit den Begriffen Schrift und Aussprache, die Phonetik unter der Bezeichnung Wohllautungslehre, die Wortgeschichte im Abschnitt Von den Wurzeln und Präfixen und die Bestandteile der Grammatik unter den Begriffen Wort-Bildung, Nomen, Verbum, Composita und Indeclinabilia. (259) Bopps Schrift erscheint in englischer Übersetzung unter dem Titel A comparative Grammar of the Sanscrit, Zend, Greek, Latin, Lithuanian, Gothic, German and Sclavonic Languages in London im Jahre 1845. Unter den übersetzten Begriffen finden sich hier Formen und Laute (characters and sounds), Wurzeln (roots) und Formierung von Fällen (Formation of cases) zur vergleichenden Grammatik (comparative grammar). (260) Bopp gliedert nach der englischen Übersetzung die Worte nach Arten in Adjektive (adjectives), Numeralia (numerals), Proworte (pronouns) und Verben (verb) in seiner Lehre von der Formierung von Worten (formation of words). (261) Im Vorwort zu seinem Werk spricht er von Interpretationen (interpretations) des Persischen (Pehlevi) und dem Original (original) des Zend. (262)
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