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Prof. Dr. Fee-Alexandra Haase: Kritik
Eine Anwendung des Begriffs Kritiker (criticus) ist die Bezeichnung von Autoren der Literatur,
die im 17. Jahrhundert in Funktion von Titel der Gelehrten anzutreffen ist. Ihr Vorbild ist
Aristarchus, der in den Quellen von lateinisch schreibenden Autoren der Neuzeit, die Schriften aus
der Antike behandeln, genannt wird. Die Autoren im Barockzeitalter nutzen für die Darstellung der
Bedeutung der Begriffe critica und criticus Allegorien der Philologie. In dem Werk Teutsche
Poemata und Aristarchus wieder die Verachtung Teutscher Sprach mit dem entsprechenden
lateinischen Titel Aristachus sive de contemptu lingue Teutonicae werden im Jahre 1624 von Martin
Opitz die Kritiker (Critici) als die Sorgfältigsten unter den Sterblichen (Criticis, curiosissimis
mortalium) gelobt. In seinem Spottgedicht Momi fenestra & crura wird der Gott Momus durch das
Erzählen seiner klag nach einem fensterlein für das Hertz zum Herausforderer der Götter:
Momus hat zwey stueck erzehlet/
Die die Goetter hetten nicht
An den Menschen zugereicht/
Ernstlich meinet er/ daß fehlet
In das Hertz ein Fensterlein/
Da man koente sehen ein/
Was darinnen wer zufinden/
Auff daß alles kaemī an Tag.
Dieses war die ander Klag/
Daß die Schienbein forne stuenden/
Da man groessern schaden nehm/
Wenn man an was hartes kem.
Hette Momus wohl durchsehen/
Gantz kein Mangel fellet fuer.
Hette Momus nur gar eben
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Und in acht genommen recht
Unser weibliches geschlecht/
Keinen Gott doerfft er nicht schmehen/
Weil an beyden stuecken hier
Diese beyden theil besucht/
Eh er seinen Goettern flucht/
Wer mir nicht will glauben geben/
Gehe zu dem Brautbett hin/
Finden wird er bald darin/
Wie der Breutgam koenne machen
Daß er dieses Fenster tieff
Oeffnet durch sein Perspectieff.
Wie er mache seine Sachen/
Daß sein liebes Breutelein
Hinden finde zwey Schienbein.
(129)
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In der Abhandlung Aristarchus, sive de arte grammatica libri septem wird im Jahre 1662 von
Gerhard Johannes Voss der Titel Kritiker (Criticus) neben Aristarchus dem Cicero, Gallus,
Avicenna, Erasthenes, Dionysius, Thrax, Demetrius, Phalereus, Callimachus und Apollodorus
zuteil. (130) In dem Epigramm Hugonis Grotii in viri eximii Gerhardi Vossii de arte grammatica libros
epigramma erwähnt Grotius den Ausdruck Aufstellen von Gesetzen (ponere leges):
Grammatice verbis quae nata est ponere leges.
Nota diu populis, sed sine lege sunt.
Quippe rudis tantum fuit indigestaque moles,
principium rerum quale Poeta facit.
Deinde loqui puri quanam ratione doceret,
Docta parum purè cùm foret ipsa loqui?
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Ordinis & pure dicendi maximus auctor
ccurrit gemino Vosius ecce malo:
idem qui nobis Ciceronis tradidit arma,
Et censum veteres egit in historias
Prudentes fecisse viros, fecisse disertos
Non satis. & pueros jam vetat esse rudes.
(131)
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129. Opitz, Martin: Teutsche Poemata und Aristarchus wieder die verachtung teut-scher Sprach, item
Verteutschung Danielis Heinsii Lobgesangs Iesu Christi und Hymni in Bachum sampt einem anhang mehr
auserleßner geticht anderer Teut-scher Poeten. Straßburg 1624. S. 184-185.
130. Voss, Gerhard Johann: Aristarchus, sive de arte grammatica libri septem. Qui-bus censura in
Grammaticos praecipuè veteres exercetur; caussae Linguae Latinae eruuntur; scriptores Romani
illustrantur, vel emendantur. Editio secunda, pluribus locis aucta. Amsterdam 1662. Vgl. die Stellen in:
Buch I. Kap. VI. S. 24-28.
131. Voss: Aristarchus. 1662. O. S.
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