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Prof. Dr. Fee-Alexandra Haase: Kritik Die Begleitschreiben zu antiken Lehren der Rhetorik behandeln mit Begriffen der Kritik die im 19. Jahrhundert publizierten Schriften aus der Antike. Für seine mehrbändige Sammlung von antiken Texten mit dem Titel Rhetores Graeci beruft sich in Tübingen Christian Walz in seinem Vorwort (praefatio) vom 10. April des Jahres 1836 auf die kritischen Briefe (epistolae criticae) des Philologen Johann Friedrich Finkh. (54) Dem im Jahre 1853 wiederveröffentlichten Lexicon in decem orationes atticos des Harpokrates ist Phillip Jakob Maussaks Abhandlung Dissertatio critica de Harpocratione eiusque scriptis angefügt. Maussak definiert die Kritik (Critica) hier als den höchsten grammatikalischen Teil (ultima grammatices parte) und beruft sich für das Wort Criticus auf Dio als seinen Gewährsmann, der wiederum Aristoteles als Autorität für den Anfang von Kritik und Grammatik (κριτικη και γραμματικη αρχη) nennt. (55) Friedrich Blass schreibt in dem im April des Jahres 1865 verfaßten Vorwort zu seinem Buch mit dem Titel Die griechische Beredsamkeit, in dem er die Rhetorik im Zeitraum von Alexander bis auf Augustus untersucht, über die Beurtheilung seiner Schrift: "Wenn ich die Abhandlung eine Geschichte dieser Periode nannte, so verkenne ich dabei selbst am wenigsten, in wie geringem Maße sie den Ansprüchen, die man an eine solche erheben kann, genügt; Doch hoffe ich, dass eine nachsichtige Beurtheilung einen grossen, vielleicht den grössten Theil der Schuld der nicht geringen Schwierigkeiten eines solchen Versuchs, von vornherein dunkle und noch wenig aufgehellte Regionen zu durchforschen, beiliegen wird." (56) Die Herausgeber von Editionen antiker Redner der Moderne beschäftigen sich mit der Kritik als einer Methode für die Überlieferung von Schriften der Antike. John Edwin Sandys schreibt in seinem Vorwort (Preface) vom 3. Juli des Jahres 1885 zu seiner Ausgabe von Ciceros Werk Orator über das gegenwärtige mangelnde Interesse an der Überlieferung dieses Werkes, das er als ein Meisterwerk im rhetorischen Kritizismus (master-piece of rhetorical criticism) bezeichnet, die folgende Bemerkung: "The orator, although confessedly a master-piece of rhetorical criticism, has been almost completely neglected." (57) Die Schrift Oratorum et rhetorum sententiae divisiones colores des Philosophen Lucius Aenaeius Seneca gibt Hermann Johannes Müller im Jahre 1887 zusammen mit seinem Verzeichnis der Stellen von Schreibern heraus, die in diesem Buch gelobt werden (loci scriptorum, qui in hoc libro laudantur). (58) In seinem Vorwort vom 31. Oktober des Jahres 1909 schreibt Georg Thiele zu den Übersetzungen von Äsops Fabeln in die lateinische Sprache über die kritische Rezension (kritische Recension), daß ihre ersten Versuche zu den sogenannten Romulustexte von Lessing unternommen wurden. (59) In der Fabel Der Wolf und der Fuchs vor Gericht von Äsop urteilt (iudicare) der Affe als Allegorie der Nachahmung, der den Titel Gerechter Richter (iustus iudex) führt. (60) Im Vorwort (praefatio) zum ersten Band von Quintilians Institutio oratoria über die Kodexe (codices) für den Archetypus (archetypus) von Quintilians Lehrschrift nennt Ludwig Radermacher den Philologen Georg Kaibel einen in der Kritik sehr erfahrenen Mann (vir artis criticae peritissimum). (61) Nach dem Vorwort (praefatio) zum zweiten Band folgt ganz wie in den Editionen von antiken Werken eine Tafel der Bücher (tabula librorum) von Kodexen (codices), die seiner Edition zugrunde lagen. (62) William Withers Ewbank gibt seine Abhandlung Criticism of the poems mit einer Darstellung der Überlieferung von Ciceros Gedichten heraus, in der er in einem Abriß seit der Publikation der Werke Controveriae und Dialogus von Cicero über die englischen Kritiker wie Saintsbury mit seiner Schrift History in Criticism im Jahre 1908 bis auf den Widerspruch der deutschen Kommentatoren (German commentators) bei der Einschätzung der Gedichte (estimate of the poems) Vertreter der Bearbeitung des Werkes zusammenstellt. Das Ergebnis seines Vergleichs, nach dem die Kritiker sich durch ihre persönliche Reaktion (personal reaction) unterscheiden, führt er auf den Grund (reason) des Fehlens eines geordneten Kritizismus (ordered criticism) mit definierten Kriterien (definite criteria) zurück: "In each case we find merely the personal reaction of the critic to the poems, not ordered criticism based on definite criteria." (63)
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